Guido Zinke | Forschungszulagenrechner
Autor: Guido Zinke
6. August 2020
Der Prozess der Antragstellung

Zunächst ist unklar wie die Bescheinigungsstelle konkret verfahren wird. Trotz dieser Unsicherheit sind nachfolgende inhaltlichen Anforderungen jedoch bereits jetzt absehbar.

Die notwendigen Formulare für eine Antragstellung werden durch die Bescheinigungsstelle zur Verfügung gestellt. Weil Sie die Forschungszulage jeweils für ein Wirtschaftsjahr beantragen, empfiehlt es sich, eindeutig kenntlich zu machen, welche konkreten FuE-Aktivitäten im Wirtschaftsjahr durchgeführt werden.

Sie können bereits jetzt anfangen die FuE-Aktivitäten zu beschreiben. Dabei ist wichtig bestimmte Kriterien zu berücksichtigen, wie beispielsweise, dass die Forschungsprojekte auf ein definiertes wissenschaftliches oder spezifisch praktisches Ziel gerichtete sind. Es handelt sich um zeitlich abgrenzbare Arbeiten im Bereich der Forschung und experimentellen Entwicklung unter Einsatz von personellen und sachlichen Ressourcen.

Im Rahmen der Forschungszulage sind dabei alleine die personellen Ressourcen zzgl. der Ressourcen für Unteraufträge förderfähig. Sachaufwände werden nicht gefördert.

Folgendes könnten mögliche Leitfragen für die Beschreibung des FuE-Vorhabens sein:

  • Welche Ziele, welcher technisch bzw. wissenschaftliche Zweck wird/wurde verfolgt?
  • Welche technische bzw. wissenschaftliche Unsicherheit sind/wurden gelöst?
  • Wie werden/wurden die Ziele erreicht?
  • Wie ist/war die Vorgehensweise?
  • Was sind/waren Lösungsansätze?
  • Welche Methoden kommen/kamen zum Einsatz?
  • Wie unterscheidet sich das Projekt vom bekannten Stand des Wissens bzw. der Technik?
  • Wo wird neues Wissen erschlossen?
6. August 2020
Die Forschungszulage und Auftragsforschung

Die Forschungszulage umfasst neben Forschungs- und Entwicklungsvorhaben in-house auch die Vergabe von Auftragsforschung, z. B. an andere Unternehmen oder Forschungseinrichtungen. Die Forschungszulage ist dann beim Auftraggeber absetzbar, weil dieser das finanzielle Risiko dafür trägt. Im Umkehrschluss bedeutet dies für den Auftragnehmer, dass Auftragsforschung nicht zusätzlich als eigene Forschung bei der Forschungszulage geltend gemacht werden kann.

Doch warum gehen nur 60 Prozent der Kosten für die Auftragsforschung in die Bemessungsgrundlage ein? Die Forschungszulage fokussiert sich auf die Aufwände für das FuE-Personal. Damit der Auftragnehmer nun aber nicht auf seiner Rechnung Personal- und Sachkosten getrennt ausweisen muss, wird hier pauschal angenommen, dass es sich bei den FuE-Unteraufträgen bei 60 Prozent der Kosten um FuE-Personalkosten handelt. Damit sind FuE-Unteraufträge mit insgesamt 15 Prozent (25 Prozent mal 60 Prozent) förderfähig.

6. August 2020
Die Kombination mit anderen Fördermaßnahmen

Die Kombination mit anderen Fördermaßnahmen wird in § 7 Absatz 2 FzulG geregelt. Demnach gilt, dass Aufwendungen nicht in die Bemessungsgrundlage einbezogen werden dürfen, soweit diese im Rahmen anderer Förderungen oder staatlicher Beihilfen gefördert wurden oder werden.

Das Bundesministerium für Finanzen (BMF) konkretisiert auf seiner Homepage in den FAQ, was dies genau bedeutet. Damit dürfen „Personalaufwendungen, die bereits in die Bemessungsgrundlage für eine andere Förderung einbezogen wurden, im Rahmen der Forschungszulage nicht noch einmal als förderfähige Aufwendungen angesetzt werden“. Laut BMF ist es dabei unerheblich, in welcher Höhe die Personalaufwendungen für die andere Förderung berücksichtigt wurden. Entscheidend ist, dass die entsprechenden Aufwendungen bereits bei der Bemessung der Höhe der anderen Förderung einbezogen wurden, aber: Wenn Personalaufwendungen im Rahmen einer anderen Förderung zwar beantragt wurden, eine Förderung jedoch nicht bewilligt worden ist, bedeutet dies kein Ausschlusskriterium für die Einbeziehung der FuE-Personalaufwände in die Bemessungsgrundlage für die Forschungszulage.

6. August 2020
Die Bescheinigungsstelle

Der Prozess zur Inanspruchnahme der Forschungszulage ist zweistufig angelegt. Zunächst wird eine Bescheinigung darüber benötigt, ob bzw. inwiefern es sich bei den umgesetzten FuE-Vorhaben um Forschung und Entwicklung (FuE) handelt. Diese Überprüfung wird die noch zu benennende Bescheinigungsstelle vornehmen. In einer zweiten Stufe prüft und dokumentiert die zuständige Finanzbehörde die Umsetzung der FuE-Vorhaben.

Laut Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) soll die Bescheinigungsstelle im Juli dieses Jahres ihre Arbeit aufnehmen. Anträge sollen dann über ein noch einzurichtendes Web-Portal eingereicht werden können. Laut BMBF sind für die Antragsbewilligungen wichtige Voraussetzungen, dass ein FuE-Vorhaben folgende Kriterien erfüllt:

  • Das Vorhaben muss neuartig sein und auf die Gewinnung neuer Erkenntnisse abzielen.
  • Das Vorhaben muss schöpferisch sein und etwas noch nicht Dagewesenes (er-)schaffen.
  • Das Vorhaben muss einem systematischen Plan folgen und die anzunehmenden Kosten ausweisen (Budgetierbarkeit).
  • Das Vorhaben soll dennoch ungewiss sein in Bezug auf das Ergebnis resp. neue Erkenntnis.
  • Das Ergebnis des FuE-Vorhabens (Erkenntnis und/oder Produkt) muss skalierbar sein.
9. Juni 2020
Wo kann man sich zur Forschungszulage informieren?

Übersicht über zentrale Informationsseiten des Bundes:

Die Forschungszulage liegt im Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums der Finanzen (BMF). Nähere Informationen finden sich hier auf der Webpage.

Die Umsetzung der Bescheinigungsstelle liegt wiederum im Verantwortungsbereich des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Das BMBF hat daher eine FAQ-Seite eingerichtet, um über die Bescheinigungsstelle zu informieren. Diese finden Sie hier.

Aber auch das BMWi informiert über die Forschungszulage und stellt sie auf dieser Seite der klassischen Forschungsförderung entgegen.

9. Juni 2020
Das Beantragungsverfahren für die FuE-Förderzulage

Für die Beantragung der steuerlichen Forschungszulage ist zunächst eine Bescheinigung einzuholen. Diese muss bei einer Bescheinigungsstelle beantragt werden. Ist diese Bescheinigung besorgt und die Forschungszulage bewilligt worden, gilt es folgende Pflichten zu berücksichtigen: 

  • Dokumentationspflicht: Die Personalaufwendungen im Bereich „Forschung und Entwicklung“ müssen transparent und nachvollziehbar dargelegt werden; idealerweise in Form von Tätigkeitsberichten und Stundennachweisen für einzelne Projekte und Personen.
  • Steuererklärungspflicht: Die Forschungszulage kann nur anhand der Aufwandsangaben in der Steuererklärung erfolgen, d.h. im Zuge des jährlichen Steuerbescheides. Laufende FuE-Aufwände sind entsprechend vorzufinanzieren. Dadurch kann aber auch für bereits laufende FuE-Projekte die Forschungszulage noch beantragt werden.        

Da Unternehmen erstmalig im Jahr 2020 ein Recht auf die Beantragung der Forschungszulage haben und die entsprechende Bescheinigungsstelle ihre Arbeit noch nicht aufgenommen hat, besteht aktuell im Verfahren noch recht große Unsicherheit – Erfahrungswerte fehlen zudem.  Mit dem Angebot des Forschungszulagenrechners versuchen wir, dieser Unsicherheit zu begegnen. In unserem Newsletter informieren wir Sie über die aktuellen Entwicklungen und neusten Erfahrungen mit der steuerlichen Forschungszulage.

9. Juni 2020
Die Förderquote der steuerlichen FuE-Zulage

Kann Ihre Unternehmung den Nachweis von FuE-Leistungen erbringen und wird die Forschungszulage gewährt, lassen sich 25 Prozent der internen FuE-Personalkosten steuerlich geltend machen. Bei externen Aufträgen werden dagegen alle FuE-Aufwendungen berücksichtigt, also auch die Sachaufwendungen der Auftragnehmer. Hierbei können 60 Prozent der tatsächlichen Auftragskosten steuerlich geltend gemacht werden, die jedoch auf die maximal mögliche Förderquote von 25 Prozent angerechnet werden. Damit sind letztlich 15 Prozent der externen Aufwendungen förderfähig. Die maximale Förderhöhe der steuerlichen Forschungszulage beträgt 1.000.000 Euro je Unternehmen und Jahr. Denn im Zuge der konjunkturellen Unterstützungsmaßnahmen im Rahmen von Covid-19 wurde die maximale Bemessungsgrundlage der Forschungszulage von 2 Mio. Euro auf 4 Mio. Euro erhöht.

Der Vorteil der steuerlichen Forschungszulage gegenüber einer Projektförderung liegt darin, dass die Beantragung der Forschungszulage auch bei bereits laufenden FuE-Vorhaben erfolgen kann. Hier gilt es zu beachten, dass die FuE-Forschungszulage erst zum Ende des Steuerjahres anhand der Steuerklärung geltend gemacht werden kann und somit per Steuerbescheid rückerstattet wird – bis dahin sind die FuE–Vorzufinanzieren. Sollte ein Unternehmen einen negativen Umsatz generieren und hat deswegen keine Steuerlast, wird die Forschungszulage jedoch ausgezahlt. 

9. Juni 2020
Die FuE-Aufwände der Unternehmen als Fördervoraussetzung

Für die Beantragung und letztlich Bewilligung der steuerlichen FuE-Zulage ist entscheidend, dass Unternehmungen FuE, also „Forschung und Entwicklung“, betreiben und diese Tätigkeiten im Sinne der Forschungszulage nachweisen können. Unter dieser Voraussetzung können Personalkosten oder Kosten Dritter, die Auftragsforschung durchführen, berücksichtigt werden (Unterauftragnehmer). Doch was genau ist unter „Forschung und Entwicklung“ zu verstehen?

  • Grundlagenforschung besteht aus experimenteller oder theoretischer Arbeit, mit der in erster Linie neue Erkenntnisse über die Grundlagen von Phänomenen und beobachtbaren Tatbeständen gewonnen werden sollen, ohne dass bereits eine bestimmte Anwendung oder Nutzung angestrebt wird.
  • Industrielle Forschung umfasst planmäßiges Forschen oder kritisches Erforschen zur Gewinnung neuer Kenntnisse und Fertigkeiten mit dem Ziel, neue Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen zu entwickeln oder wesentliche Verbesserungen bei bestehenden Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen herbeizuführen.
  • Experimentelle Entwicklung richtet sich an Erwerb, Kombination, Gestaltung und Nutzung vorhandener wissenschaftlicher, technischer, wirtschaftlicher und sonstiger einschlägiger Kenntnisse und Fertigkeiten mit dem Ziel, neue oder verbesserte Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen zu entwickeln. Dazu zählen zum Beispiel auch Tätigkeiten zur Konzeption, Planung und Dokumentation neuer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen.

Nicht unter die Kategorie „Forschung und Entwicklung“ fallen Aktivitäten, die über diese drei Kategorien hinausgehen, weil sie beispielsweise der Produkteinführung dienen. Diese Maßnahmen sind nicht förderfähig! Das Konzept der experimentellen Entwicklung darf somit beispielsweise nicht mit dem der „Produktentwicklung“ verwechselt werden, welches darauf abzielt, ein neues Produkt (Ware oder Dienstleistung) auf den Markt zu bringen. Ausgeschlossen sind dementsprechend auch „Vorserienentwicklungen“, womit die nicht-experimentelle Arbeit an einem Produkt gemeint ist.

9. Juni 2020
Die Attraktivität der steuerlichen Forschungszulage

Jedes in Deutschland steuerpflichtige Unternehmen kann die Forschungszulage beantragen; unabhängig von der Beschäftigtenzahl, dem Umsatz oder der Branche. Voraussetzung ist, dass Forschungs- und Entwicklungsarbeit geleistet wird. Dabei kann die FuE-Leistung auch in Form von Unteraufträgen erfolgen. Der Fokus liegt auf den tatsächlichen FuE-Personalaufwendungen. Aufwendungen für Anlagen und Maschinen, Labortechnik und sonstige Sachmitteln sind hingegen nicht förderfähig.

Doch im Vergleich zur Beantragung einer direkten Projektförderung soll der administrative Aufwand niedrig gehalten werden. Dadurch sollen Investitionen in bereits laufende FuE-Vorhaben als auch Investitionen in innovative Vorhaben durch die Forschungszulage attraktiver gemacht werden. Entscheidend ist, dass das Forschungs- und Entwicklungsvorhaben der Definition von „Forschung und Entwicklung“ gerecht wird. Erste Hinweise zu den Anforderungen an die FuE-Definition finden Sie im Forschungszulagenrechner.

9. Juni 2020
Der Adressatenkreis der steuerlichen FuE-Förderung

Die beschriebenen Unterschiede in den Instrumenten der FuE-Förderung verdeutlichen, dass die Bundesregierung die Forschungszulage mit dem Ziel eingeführt hat, zusätzliche FuE-Aktivitäten zu aktivieren – für eben solche Vorhaben, die bisher nicht durch eine direkte Projektförderung erreicht wurden. Zwar fällt die Förderquote bei direkter Projektförderung aufgrund der hohen Förderquote weit höher aus als im Vergleich zur Forschungszulage. Dem steht aber gegenüber, das die Forschungszulage durch den geringen bürokratischen Aufwand weitaus niedrigschwelliger angelegt ist. Auch ist es kein Ausschlusskriterium, wenn mit der Durchführung des FuE-Vorhabens bereits begonnen wurde. Dadurch ist die Forschungszulage für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) als auch für Start-Ups interessant.

Gerade Start-ups tun oftmals Dinge, die eine FuE-Definition entsprechen, gleichzeitig aber nicht ausreichend umfangreich sind, um die Themen in einem Fachprogramm zu platzieren. Hier entstehen durch die Forschungszulage neue Möglichkeiten, zumal diese im Fall von Verlusten auch ausgezahlt wird. Unabhängig diese Möglichkeiten müssen KMU und insbesondere Start-Ups im Sinne der Forschungszulage auch nachweisen können, dass sie FuE betreiben. Weiterhin sind sie mit der Herausforderung konfrontiert, dass die FuE-Vorhaben– anders als etwa Großunternehmen – häufig nicht in eigens definierten Organisationseinheiten („Innovationsabteilungen“) und routinierten Prozessen ablaufen. In diesem Fall gilt es Strukturen aufzubauen, um den Dokumentationspflichten im Rahmen der Forschungszulage entsprechend nachzukommen.